nordhorn
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Die Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Bentheim und Mitgliedsgemeinde in der Euregio grenzt direkt an die Niederlande. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in dem einstigen Landstädtchen nur rund 3.000 Menschen. Heute dagegen zählt die lebendige Kreisstadt mehr als 53.000 Einwohner und bildet den wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Region.
»Northornon« wurde im Jahr 1000 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt, 1379 verlieh Graf Bernhard I. Nordhorn die Stadtrechte. Von einer früheren Blütezeit im 15. Jahrhundert zeugen der Bau der 1445 geweihten »Alten Kirche« am Markt, heute Wahrzeichen der Stadt, und das Kloster Frenswegen, eine Gründung der Augustinermönche aus dem Jahr 1394. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Handel, Handwerk und Landwirtschaft die wesentlichenr Wirtschaftsgrundlagen. Vechte-Schifffahrt und Fuhrwesen bildeten wichtige Erwerbszweige. Von Nordhorn aus wurde das »Bentheimer Gold« verschifft, jener charakteristische Sandstein, der zum Bau des königlichen Palais in Amsterdam und vieler Kirchen verwandt wurde.
Im Jahr 1839 entstand die erste mechanische Weberei und leitete die Entwicklung Nordhorns zum bedeutenden Standort der Textilindustrie ein, der der Stadt bis in die frühen 1980er Jahre hinein starke wirtschaftliche Stabilität sicherte. Danach waren Absatz und Produktion rückläufig, und am 31.12.1999 ging in Nordhorn die Ära der Textilindustrie endgültig zu Ende. Tausende Arbeiterinnen und -arbeiter verloren ihre Jobs. Einige der Fabrikgebäude existieren noch immer, manche stehen leer, manche werden inzwischen für andere Zwecke genutzt.
Hervorzuheben ist eine heute unter Denkmalschutz stehende Halle, die 1949/50 im Auftrag der Textilfirma Povel errichtet wurde. Das nach amerikanischem Vorbild in Schalenbauweise konstruierte, sechsschiffige Tonnengewölbe wurde europaweit zum Muster für fast 100 weitere Anlagen. Die von wenigen Pfeilern unterbrochene Halle bot eine extrem weiträumige Arbeitsfläche, auf der 300 moderne Webstühle variabel untergebracht werden konnten. Von 1997 bis 1999 wurde die Halle zum »Kultur- und Tourismuszentrum Alte Weberei« umgebaut und beherbergt heute die Städtische Galerie Nordhorn mit Wechselausstellungen zur internationalen Gegenwartskunst. Das Besondere: Die Ausstellungsräume sind ein Werk des Künstlers und documenta-Teilnehmers Stephen Craig, der zwei klar strukturierte Pavillons entwarf und sie als Räume im Raum in auffälligem Kontrast zur Industriearchitektur der 50er Jahre realisierte. Auch die ständige Ausstellung »Textile Arbeitswelten« des Stadtmuseums, der Radiosender Ems-Vechte-Welle, die Kunstschule der Städtischen Galerie Nordhorn, das Grafschafter Brauhaus und ein Bühnensaal mit vielfältigem Konzert-, Theater- und Kabarettprogramm sind in der Alten Weberei untergebracht.
Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt die im spätromanischen Stil erbaute St.Augustinus-Kirche, die auf der Burginsel mitten in der Nordhorner Innenstadt steht. Interessante Ausflugsziele sind darüber hinaus das Stadtmuseum Povelturm, das Schifffahrtsmuseum und der Nordhorner Tierpark, ein Familienzoo im Grünen, der sowohl Exoten als auch heimische Waldtiere – u. a. ein Wolfsrudel –, aber auch Schmetterlinge und Insekten beherbergt. Auf dem 17 Hektar großen, im Zuge der Flussregulierung in den 1960er angelegten Vechtesee können zwischen April und September Tretboote ausgeliehen werden. Der VVV Nordhorn bietet Wasserrundfahrten durch Nordhorn mit dem »Vechtestromer« und der »Vechtesonne« sowie Stadtführungen an.