kunstwegen - unterwegs in einem offenen Museum fuer zeitgenoessische Kunst, Natur und Geschichte. Hier lockt ein Urlaub mit dem Fahrrad im Vechtetal mit Kunst als Leitmotiv.

Willem de Rooij

Willem de Rooij, Residual, 2012 // Burg Bentheim Willem de Rooij, Residual, 2012 // Burg Bentheim
Willem de Rooij, Residual, 2012 // Burg Bentheim Willem de Rooij, Residual, 2012 // Burg Bentheim

residual

Das Skulpturenprojekt raumsichten im offenen Museum kunstwegen widmet sich dem Thema der Planung als künstlerischem Arbeitsfeld. Alle Kunst bedarf der Planung, aber bedarf auch die Planung der Kunst? Der Vorschlag, Jacob van Ruisdaels Ölgemälde »Ansicht der Burg Bentheim von Nordwesten« (um 1655) im Innern der Burg zu präsentieren, war die Initialzündung für aufwendige Restaurierungsarbeiten im Südflügel, dem ehemaligen Marstall, wobei im zweiten Geschoss neue Kabinetträume für künftige Ausstellungen eingerichtet wurden.

In dem größten und schönsten dieser Räume stellt Willem de Rooij Ruisdaels Gemälde neu zur Ansicht. Eine eigens produzierte Glasvitrine umhüllt das wertvolle Gemälde und gewährleistet ein gleichmäßiges Klima, UV-Schutz und Sicherheit. Im weiteren Fortgang von de Rooijs mit »Residual« betitelten Beitrag für raumsichten könnte ein Ruisdael-Stipendium aufgelegt werden. Mit beratender Unterstützung des Künstlers könnten internationale Künstler in Zukunft die Gelegenheit bekommen, neue Zusammenhänge für das historische Gemälde zu erarbeiten und sie am selben Ort auszustellen. Die zukunftsweisende Entscheidung eines Ausstellungsraums für zeitgenössische Kunst auf der Burg bedarf der Mithilfe von öffentlichen Verwaltungen, Institutionen und Privatbesitzern sowie einer politischen Feinabstimmung.

Willem de Rooij macht zum wiederholten Male den Kontext zum Thema seiner Kunst. Sein raumsichten-Werk heißt »Residual«. Was man hier sieht, sind die architektonischen Veränderungen eines Umfelds, die durch den Künstler initiiert und von ihm begleitet werden. Das eigentliche Medium seines Werks aber ist das Ausstellen selbst. Zur Präsentation des Gemäldes gehören eine Vitrine, die eine klimatisch einwandfreie und sichere Aufbewahrung erlaubt, und ein Künstlerbuch. De Rooij lenkt das Auge weg vom Ausstellungsgegenstand hin zu seinem Umfeld. Erst in diesem Wechselspiel erschließt sich der volle Sinn einer Ausstellung für ihre Besucher.

De Rooij stellt nicht nur das Gemälde aus, sondern auch die Vitrine, die es zeigt, und den Hauptraum, in dem die Vitrine steht, sowie zum Auftakt ebenfalls die frisch sanierten Ausstellungskabinette. Dem Besucher erschließt sich das Werk notwendigerweise auf dem umgekehrten Weg über den Einlass in die Burg, durch das Treppenhaus, über den Flur in den Hauptraum vor das Gemälde in der Vitrine. Das vollständig transparente Behältnis steht mitten im Raum, ist somit umgehbar und von allen Seiten einsehbar. Seine technischen Elemente für Klima und Beleuchtung werden hinter Glas mit ausgestellt. Von Gemälde und Rahmen sind folglich sowohl die Rückseite als auch die Vorderseite voll umfänglich zu sehen. Diese Art der Präsentation eröffnet eine andere Perspektive auf das Gemälde. Es wird nicht nur in seiner gewohnten Funktion als eine Landschaftsmalerei wahrnehmbar, sondern auch als ein Handelsobjekt, wofür es entstanden ist. Die prachtvolle Burg auf dem Höhenrücken wurde Ruisdaels beliebtestes Bildmotiv und ist von ihm in verschiedenen Variationen und Interpretationen durchgearbeitet worden.

 

Gemälde: Jacob van Ruisdael, »Ansicht der Burg Bentheim von Nordwesten«, ca. 1655, Öl auf Leinwand, 41 x 57,8 cm, Rahmenmaß 63 x 80,5 x 9 cm, Eigentümerin seit 1988: Niedersächsische Sparkassenstiftung, Hannover

Glasvitrine: 240 x 120 x 120 cm

Künstlerbuch

über den künstler

1969 geboren in Beverwijk /Niederlande

http://www.evagrubinger.com