kunstwegen - unterwegs in einem offenen Museum fuer zeitgenoessische Kunst, Natur und Geschichte. Hier lockt ein Urlaub mit dem Fahrrad im Vechtetal mit Kunst als Leitmotiv.

Charlotte van Pallandt

Charlotte Pallandt, Wilhelmina, 1968/1987 Charlotte Pallandt, Wilhelmina, 1968/1987
Charlotte Pallandt, Wilhelmina, 1968/1987 Charlotte Pallandt, Wilhelmina, 1968/1987

wilhelmina

»Es gibt nur einen Mann, und das ist Königin Wilhelmina.« (Winston Churchill)

der Auftrag

Das Denkmal für Königin Wilhelmina entstand auf Initiative von Herrn van der Mandele, dem damaligen Vorsitzenden der Handelskammer. 1965 schlug er vor, eine Statue zum Gedenken an die 1962 verstorbene Monarchin anfertigen zu lassen. Die Finanzierung wurde von der Rotterdamer Wirtschaft und den Einwohnern der Stadt aufgebracht.

Die Künstlerin Charlotte van Pallandt erhielt den Auftrag, Wilhelmina als Symbol des Widerstands darzustellen: kraftvoll und unnachgiebig. Die Statue symbolisiert ihre Standhaftigkeit während des Zweiten Weltkriegs, als sie von London aus die niederländische Exilregierung leitete. 

Inspiration

Wilhelmina fühlte sich Rotterdam stark verbunden und verlieh der Stadt das Motto »Sterker door Strijd« (Stärker durch Kampf).  1957 vollbrachte sie ihre letzte offizielle Handlung: die Enthüllung des Kriegsdenkmals von Mari Andriessen in Rotterdam. Ein Zeitungsfoto von diesem Tag – auf dem sie in einem langen Mantel zu der Statue aufblickt – inspirierte Van Pallandt zur Haltung ihres monumentalen Entwurfs.

Van Pallandt hatte die charakteristische Figur von Königin Wilhelmina anhand von Fotos studiert. Auf dem Gipsmodell markierte sie mit dunkler Kreide in Linien und Punkten, wie die endgültige Version in Stein aussehen sollte. Dabei suchte sie, wie sie selbst sagte, nach einer »wunderschönen, spannungsgeladenen Form« und entschied sich schließlich für die Form einer Pyramide. »Vom Kopf bis zu den Füßen fängt sie das Licht ein«, schrieb sie über ihre Wilhelmina. Es ist ein monumentales Werk einer Königin geworden, die zu einem wichtigen Symbol für die Willenskraft der wiederauflebenden Niederlande wurde.

eine Ausnahme

Das Denkmal erinnert an das Bild der unnachgiebigen Königin in Kriegszeiten. Auffällig ist, dass das Gesicht von Wilhelmina nicht detailliert ausgearbeitet ist. Van Pallandt experimentierte damit, aber das Ergebnis gefiel Königin Juliana zunächst nicht. Dennoch stimmte sie dem Entwurf zu und enthüllte am 4. Mai 1968 die Statue ihrer Mutter.

Ursprünglich sollte das Werk in Bronze ausgeführt werden, aber man entschied sich für Blaustein – mit rauer Oberfläche –, um die Massivität und Unbeugsamkeit der Monarchin zu unterstreichen.

Dirk Hannema

»Nur eine kurze Nachricht, um Ihnen mitzuteilen, dass das Modell für die Statue von Königin Wilhelmina gestern hier gut angekommen ist«, schrieb Dirk Hannema 1968 an Charlotte van Pallandt. Er bezog sich dabei auf das Gipsmodell, das ihm die Bildhauerin kurz zuvor geschenkt hatte. Hannema hatte es bei einem Besuch bei der Bildhauerin gesehen, wo es in ihrem Garten vor sich hin vegetierte. 

Obwohl Van Pallandt normalerweise keine Reproduktionen ihrer Skulpturen zuließ, machte sie für dieses Werk eine Ausnahme. Im Auftrag der Hannema-de Stuers Fundatie wurde 1987 ein Bronzeguss der Skulptur angefertigt. Nachdem sie eine Zeit lang im Skulpturengarten des Museums gestanden hatte, schmückt die Skulptur seit 2025 den Eingang des Museums De Fundatie in der Innenstadt von Zwolle.

Bronzeguss, Höhe: 300 cm

über die künstlerin

Charlotte van Pallandt (1898 – 1997) war eine weitgereiste Künstlerin, die in der Zwischenkriegszeit große Teile Europas erkundete. Zusammen mit Zeitgenossen wie Mari Andriessen und Kees Verwey gehört sie zu den klassischen niederländischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Porträts von Juliana und die monumentale Statue von Wilhelmina. Als Baronin bewegte sich Van Pallandt mühelos in den höchsten Kreisen. In ihrem Werk sind Einflüsse des Konstruktivismus und Kubismus zu erkennen, aber schon früh entwickelte sie einen eigenen expressionistischen Stil, dem sie während ihrer gesamten Karriere treu blieb – auch als andere Strömungen aufeinander folgten. Obwohl sie keine innovative Pionierin war, war sie doch eine außergewöhnlich begabte Handwerkerin. In ihrem Werk dreht sich alles um das Spiel mit Linien, Formen, Licht und Schatten sowie um die Vermittlung von Haltung und Charakter. Es ist ein subtiles Gleichgewicht zwischen Figuration und Abstraktion. »Das Erfassen eines Charakters ist vielleicht die Essenz ihres künstlerischen Schaffens«, lautet ein bezeichnender Satz in einer der zahlreichen Publikationen über ihr Werk.